Menara

Jemen im Krieg: Editorial

Liebe Leserinnen und Leser des Jemen-Reports,

verzweifelt und hilflos verfolgen wir seit nunmehr einem Jahr den Mehrfrontenkrieg mit internationaler Beteiligung im Jemen. Wir fragen uns, was so fundamental schief gegangen ist in den vergangenen Jahren, dass der Transitionsprozess in einer solchen Katastrophe enden konnte, und vor allem fragen wir uns, wann das Sterben, der Hunger und die Aussichtslosigkeit dieses Krieges endlich ein Ende haben. Wir verfolgen die Nachrichten aus dem Jemen – die deutschen Medien lassen uns hier leider völlig im Stich – in der Hoffnung, etwas Positives zu hören, aber Medien fokussieren leider oftmals nur auf Tod und Gewalt.

Die Lage im Jemen ist verzweifelt, inzwischen hat das Land die größte humanitäre Katastrophe weltweit, und wir wissen nicht, wie lange dies so weitergehen wird. Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass, selbst wenn ein Friedensabkommen erreicht werden kann, der Jemen noch auf viele Jahre hinweg instabil sein wird. Das soll aber nicht davon ablenken wahrzunehmen, wieviel Potenzial in der Kreativität und Widerstandsfähigkeit der jemenitischen Bevölkerung steckt und wieviel Gutes auch derzeit im Lande passiert: in Aden hat sich eine lokale NGO der gefangengenommenen Huthi-Kindersoldaten angenommen, um ihnen Schulbildung zukommen zu lassen. Überall im ganzen Land arbeiten gemeinnützige Organisationen, teils mit internationaler Unterstützung, um die zu unterstützen, die besonders unter den kriegerischen Auseinandersetzungen leiden. Vielerorts stellen wohlhabende Gemeindemitglieder kostenlos Wasser für die Ärmsten zur Verfügung. Geflohene Familien finden Unterschlupf bei Verwandten und Nachbarn.

Und die deutsch-jemenitische Freundschaft steht weiterhin firm: Deutschland ist mittlerweile der größte Geber für strukturwirksame Entwicklungszusammenarbeit, der auch weiterhin eigene Umsetzungsstrukturen im Land unterhält. Allein die GIZ betreibt nach wie vor mit ca. 130 Ortskräften Maßnahmen in fünf Sektoren (Schwerpunkte Wasser und Bildung; weitere Maßnahmen im Bereich der Gesundheit, Privatwirtschaftsförderung, Friedensentwicklung/Peacebuilding). Viele von uns haben im vergangenen Jahr im Großen und im Kleinen dazu beigetragen, dass sich die Menschen im Jemen nicht alleine gelassen fühlen. Wir können dies auch weiterhin tun, indem wir versuchen, mehr Aufmerksamkeit hier in Deutschland für die Lage im Jemen zu schaffen; indem wir uns bei unseren jemenitischen Freunden im Land melden, einfach um nachzufragen, wie es ihnen geht; indem wir gemeinsam mit JemenitInnen neue Projekte auf die Beine stellen; oder einfach, indem wir spenden, um die Not und das Leiden ein wenig zu lindern und neue Hoffnung zu geben.

Der vorliegende Jemen-Report soll uns auch die schönen Seiten des Landes vor Augen führen, uns den Jemen in der Ferne näherbringen und so das Band der Freundschaft zwischen den Menschen beider Länder auch in Zeiten großer Not aufrechterhalten und stärken. Letzten Endes liegt es aber an jedem Einzelnen von uns, dazu beizutragen, dass die Idee einer Freundschaftsgesellschaft, wie die DJG eine ist, mit Leben gefüllt wird. Also: Werden oder bleiben Sie aktiv!

Der vorliegende Jemen-Report ist wie immer vor allem ein Resultat des Engagements der Autoren, die sich die Zeit genommen haben, aus ihrer Arbeit, ihren Reisen oder aus ihrem Leben für uns alle zu berichten. Ganz besonderer Dank gilt in diesem Jahr zum einen Sabine Schulz, die als langjährige Layouterin auch dieses Heft mit der gewohnten Ruhe und Gelassenheit in seine finale Form gegossen hat. Darüber hinaus bedanke ich mich bei unserem DJG-Praktikanten Lukas Eger, der mir bei der Edition einiger Texte sehr zuverlässig geholfen hat. Ich wünsche Ihnen allen viel Vergnügen bei der Lektüre und hoffe, dass die Texte Ihnen auch Hoffnung machen!

Marie-Christine Heinze
Redaktion Jemen-Report im Februar 2016

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