Leuchtturm in Aden

Jemen und die Zeitschrift im Übergang: Editorial

Seit 2011 befindet sich der Jemen in einem außerordentlich schwierigen Prozess des Übergangs auf der Suche nach neuer Staatlichkeit, nach neuer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ordnung. Die Welt nimmt nicht viel davon zur Kenntnis, und doch ist es der bemerkenswerte Versuch, einen weitgehend friedlichen Übergang zu schaffen. Wenn es dennoch Rückschläge gibt, ist es vor allem die Jugend des Landes, die zum neuen Hoffnungsträger geworden ist. Ihr gehört die Zukunft, und es ist sehr zu begrüßen, dass die deutsch-jemenitische Zusammenarbeit gerade hier neue Akzente setzt. Davon ist in diesem Heft zu lesen, aber auch von den dunklen Seiten der Entwicklung: Die Sicherheitslage ist inzwischen so schlecht geworden, dass deutsche Hilfe praktisch nur noch aus der Ferne organisiert werden kann, dass Feldforschungen kaum noch möglich sind und Tourismus schon gar nicht mehr (außer auf Sokotra).

Wohin treibt der Jemen? Das fragen sich immer mehr Menschen bei uns, die dem Land und seinen Bewohnern teils seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden sind. Es gibt keine einfachen Antworten, doch wollen wir in diesem Heft wenigstens erläutern, worin die Schwierigkeiten des Transitionsprozesses liegen und wo es Hoffnungen gibt. Daneben belegen zahlreiche andere Beiträge, dass es trotz allem auch noch ein „normales Leben“ im Land gibt.

Mit diesem Doppelheft verabschiede ich mich als Redaktionsleiter von den Leserinnen und Lesern des Jemen- Report. Seit 1980 habe ich mich dieser ehrenamtlichen Aufgabe sehr gern gewidmet (zunächst kommissarisch, ab 1982 hauptverantwortlich), die Zeitschrift behutsam weiter entwickelt und ihr damit zu einem gewissen – auch über die DJG hinaus reichenden – Ansehen verholfen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass es immer die Autorinnen und Autoren waren, die die Qualität des Jemen-Report entscheidend bestimmten. Ihnen danke ich deshalb zuerst und vor allem.

Eine solche Aufgabe ist auf Dauer nur mit einem gut eingespielten Team leistbar. Hier ist an erster Stelle Pierre R. Bakzis zu nennen, der die Satzarbeiten in der „vorelektronischen“ Zeit mit unendlicher Geduld bis 1997 ausgeführt und danach manche Hilfe bei der redaktionellen Arbeit geleistet hat; leider verstarb er – viel zu früh – im Jahr 2004. Ab 1998 bekam der Jemen-Report ein neues Outfit; Satz und Layout lagen seitdem in den Händen von Sabine Schulz, zeitweise auch von Sonja Hock und meiner Tochter Iris. Sabine Donner widmete sich stets zuverlässig der immer wichtiger werdenden Bildbearbeitung, und meine Frau Gabriele leitete die Anzeigen-Abteilung – so lange es noch ein Anzeigengeschäft von Reiseagenturen gab. Die schwierige Lektoratsarbeit erledigte absolut souverän überwiegend Marieke Brandt; auch Sonja Hock hat mir hier immer wieder geholfen. Ganz besonders arbeitsintensiv war die Sammlung „Neuer Literatur“ durch Marieke Brandt. Allen spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank aus.

Nun sehe ich die Zeit gekommen, die Hauptarbeit in jüngere Hände zu übergeben. Marie-Christine Heinze wird – da bin ich ganz sicher – die gute Tradition des Jemen-Report erfolgreich fortsetzen, damit die Mitglieder der DJG und viele andere Leserinnen und Leser auch die kommenden Hefte gern zur Hand nehmen. Aber natürlich möchte sie auch neue Ideen einbringen. Einiges davon ist schon in diesem Heft, das wir zu guten Teilen bereits gemeinsam erarbeitet haben, zu erkennen: Eine innere Gliederung des Heftes in vier „Kapitel“ soll den ersten Überblick erleichtern:

Neues aus der Forschung: Hier werden – meist etwas größere – Beiträge gebracht, deren Qualität dadurch gewährleistet ist, dass sie von externen Gutachtern geprüft wurden. Gerade die junge Generation von Jemenforscherinnen und -forschern steht unter einem erheblichen Konkurrenzdruck, solche Artikel zu publizieren – und das aus den gleichen Gründen nicht selten auch auf Englisch. Ihnen soll künftig eine Plattform geboten werden, allerdings mit der Auflage, „Wissenschaft“ verständlich darzustellen. – Hier ist auch der Platz für Berichte über wissenschaftliche Tagungen und Konferenzen mit Jemen-Bezug.

Kulturaustausch: Die deutsch-jemenitischen Beziehungen sind nach wie vor deshalb so gut, weil es ein dichtes Geflecht von formellen und informellen Kooperationen und Begegnungen gibt. Diese Vielfalt zu verdeutlichen ist eine der wichtigsten Aufgaben der DJG und damit des Jemen-Report. Neu ist hier auch die Kategorie ‚Persönliche Geschichten‘, in der Jemeniten und Deutsche von ihren Erlebnissen im anderen Land berichten. Wir beginnen mit zwei weiblichen Perspektiven.

Panorama: Hier werden kleinere, nicht begutachtete Artikel und all das gebracht, was bisher unter „Verschiedenes“ erschien, also ein Kaleidoskop von Beiträgen aus und über den Jemen, möglichst immer auch von jemenitischen Autorinnen und Autoren.

Jemen schwarz auf weiß: Die bewährten Teile „Neue Literatur“ und „Rezensionen“ erscheinen von nun an unter dieser Überschrift.

Den größeren Teil der Beiträge dieses Heftes hat bereits Marie-Christine Heinze eingeworben.

Zum Schluss danke ich Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, dass Sie dem Jemen-Report die Treue gehalten haben und wünsche, dass Sie dieses Vertrauen auch meiner Nachfolgerin schenken.

Ihr Redakteur,
Horst Kopp


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