Djg-ev

Geschichte der DJG

Die Deutsch-Jemenitische Gesellschaft wurde am 25. Juli 1970 in Schwaig bei Nürnberg gegründet. Ihr Initiator und erster Vorsitzender, S. U. Graf, bereiste in den 1960er Jahren mehrfach den südlichen Jemen. Im März 1968 konnte er auch Sana’a im Norden besuchen und sich ein Bild der politischen Lage gegen Ende des langjährigen Bürgerkriegs machen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u. a. Rudolf E. Bollinger, der ihn auf seinen Reisen begleitet hatte, und Prof. Dr. Walter W. Müller, der seit Anbeginn im Beirat der Gesellschaft war.

Ziel der Gesellschaft war nicht allein die „aktive Hilfe beim Aufbau des durch ein Jahrtausend der Isolierung und einen fast acht Jahre dauernden Bürgerkrieg verarmten Landes ..., sondern vor allem auch die Förderung der menschlichen und kulturellen Beziehungen und die Festigung der traditionellen Freundschaft zum jemenitischen Volk“ (Jemen-Report 1970, 1). Herrn Graf gelang es, bei Mitgliedern, bei Institutionen der Industrie und des Handels Spenden zu gewinnen, die eine substanzielle Förderung sinnvoller Projekte im Jemen ermöglichten: Schon 1972 konnte die Gesellschaft den Schulen in Hajjah Schul- und Sportartikel im Wert von 14.000,- DM stiften. Den letzten Teil der langen Reise ab Hamburg legten die Kisten auf Kamelrücken zurück. 1973 erhielt das Krankenhaus in Hajjah Medikamente im Wert von 12.000,- DM, 1974 ging eine Lernmittelsendung nach Sana’a, 1975 ein Röntgengerät an das Krankenhaus in Sa'dah, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Daneben wurden in verschieden Städten Deutschlands Jemen-Wochen organisiert: 1971 die erste in Bonn, weitere in Nürnberg und Freiburg folgten. Die Zeitschrift der Gesellschaft, der Jemen-Report, erschien seit ihrer Gründung jährlich. Unvergessen in den frühen Heften sind die Beiträge von Prof. Dr. Walter W. Müller zum antiken Jemen. 1977 gab die DJG die erste zuverlässige Karte der Arabischen Republik Jemen heraus, die bis ins Jahr 2004 immer wieder neu aufgelegt wurde und für Jahre konkurrenzlos war.

1982 kandidierte S. U. Graf aus Altersgründen nicht mehr für den Vorstand. Sein Amt übernahm Prof. Dr. Horst Kopp, Professor der Geographie in Tübingen (später Erlangen), den erste Forschungsreisen zu Beginn der 1970er Jahre in den Jemen geführt hatten. Mit ihm als Redakteur des Jemen-Report, wurde die Zeitschrift umfangreicher und wissenschaftlicher. Auch das Tätigkeitsfeld der Gesellschaft änderte sich aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. Die Bundesrepublik erließ der Arabischen Republik Jemen 1979 ihre Schulden, Entwicklungshilfe wurde fortan als Zuwendung gewährt. 1979 eröffnete der DED in Sana’a ein eigenes Büro, die GTZ folgte 1983. Dennoch sammelte die Gesellschaft bei aktuellen Anlässen nach wie vor Spendengelder: Nach dem katastrophalen Erdbeben im Dezember 1982 stellte sie einen symbolischen Betrag für die Wiedererrichtung der Spitze des Minaretts der Madrasah ash-Shamsiyah in Dhamar zur Verfügung, 2009 unterstützte sie Familien im Wadi Hadramaut, die unter der großen Flut im Oktober 2008 besonders gelitten hatten. Nennenswerte humanitäre Hilfe konnte die Gesellschaft mit ihren Mitteln angesichts des immensen Kapitalbedarfs im Lande indes nicht mehr leisten.

Mit dem profunden Wissen ihrer Mitglieder, mit dem Jemen-Report und Straßenkarten wurde die Gesellschaft mehr und mehr zum Ansprechpartner von Touristen, die seit den 1980er Jahren den Jemen zunehmend besuchten. Die Erlöse aus dem Verkauf der Informationsmaterialien übertrafen in diesen Jahren die Mitgliedsbeiträge deutlich. Mit der Vereinigung der beiden deutschen und jemenitischen Staaten kamen 1990 das Wissen und die Erfahrung ostdeutscher Wissenschaftler und Entwicklungshelfer in die DJG.

1994 zog sich Prof. Kopp aus dem Vorstand zurück, blieb der Gesellschaft aber als Redakteur des Jemen-Report und Herausgeber der Touristenkarte erhalten. Die DJG stand dann unter der Vorstandsführung von Peter H. Hellmuth aus Freiburg, der das Land 1975 erstmals bereiste. 1995 veranstaltete die Gesellschaft ihre erste Mitgliederreise. Sie führte in die sagenumwobene Provinz Mahrah und auf die Insel Sokotra. Weitere Reisen folgten. 2000 organisierte die DJG den Besuch der U18-Mannschaft des SC Freiburg im Jemen, 2009 erfolgte der Gegenbesuch jemenitischer Fußballer in Freiburg und Nürnberg.

Die sich verschlechternde politische Situation im Jemen machte touristische Reisen in das Land in den letzten Jahren immer schwieriger, zuletzt unmöglich. Mit der Wahl des neuen Vorstandes unter der Leitung von Gudrun Orth im Jahr 2014 liegt der Schwerpunkt der DJG-Arbeit auf der objektiven Informierung der deutschen Öffentlichkeit über Geschehnisse in der Republik Jemen. Dazu gehört weiterhin die Herausgabe des Jemen-Report, dessen Redaktion seit 2014 Frau Marie-Christine Heinze übernommen hat, sowie regelmäßig und deutschlandweit stattfindende Film-, Podiums- und Diskussionsveranstaltungen zur aktuellen Lage im Jemen.

Die Freundschaft zwischen dem Jemen und Deutschland ist in den mehr als 40 Jahren des Bestehens der Gesellschaft stetig gewachsen. Zu unseren Mitgliederversammlungen kommen regelmäßig Mitglieder der Jemenitisch-Deutschen Gesellschaft aus Sana’a. Bei ihrer Gründung hatte die Gesellschaft 8 Mitglieder, heute sind es rund 600. Die DJG zählt heute über 550 Mitglieder.