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ÄNDERUNG DER VISA-BESTIMMUNGEN

Es gibt seit dem 5. Februar 2010 nach Angaben der deutschen Botschaft in Sana'a nicht mehr die Möglichkeit, Visa bei der Einreise am Flughafen Sana'a und bei den Grenzübergangsstellen zu erhalten. Alle Einreisevisa müssen vorab bei der zuständigen jemenitischen Vertretung beantragt werden!

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40 Jahre diplomatische Beziehungen

Eine Geschichte der Freundschaft

 

Über den eigenen Schatten gesprungen

Im Laufe des Jahres 1969 vollbrachte die Republik Jemen für die arabische Welt eine Pionierleistung: Die jemenitische Regierung scherte aus der Gruppe arabischer Länder aus, die seit 1965 keine diplomatischen Beziehungen mehr zur Bundesrepublik Deutschland unterhielten - das waren damals alle Mitglieder der Arabischen Liga außer Tunesien. Nordjemen sprang sozusagen über den eigenen Schatten, indem es um Jahre früher als die anderen Liga-Mitglieder wieder diplomatische Beziehungen zwischen Sana'a und Bonn anknüpfte.

Aber auch die bundesdeutsche Regierung musste "über den eigenen Schatten springen". Es war Bonn, das 1965 die Beziehungen zu den Staaten der Arabischen Liga abbrach, nachdem diese die diplomatische Anerkennung der DDR beschlossen hatten. Bonn war damit der sogenannten Hallstein-Doktrin gefolgt, die keine diplomatischen Beziehungen zu einem neutralen Staat dulden wollte, in dessen Hauptstadt die DDR eine Botschaft unterhalten durfte. Im Nodjemen gab es ab 1969 nun aber zwei deutsche Botschaften - eine der Bundesrepublik und eine der DDR.

1969 war auch für den sogenannten Südjemen, d.h. für Aden und das südöstliche Hinterland bis zum Sultanat Oman, ein Schicksalsjahr. Von Britannien 1967 viel zu spät in die Unabhängigkeit entlassen, setzten sich dort 1969 die radikal zum Ostblock orientierten Kräfte des Unabhängigkeitskampfes durch. Es bildete sich eine pseudo-sozialistische Diktatur, die jahrzehntelang eng mit der damaligen Sowjetunion verbunden war und mit der DDR besondere Beziehungen pflegte.

Die Bundesrepublik beließ es ab 1969 nicht bei der bloßen Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zum Nordjemen. Wohl auch in Rivalität zu den Bemühungen des damaligen „zweiten deutschen Staates“ um Einfluss in beiden Jemen-Staaten, machte Bonn den Nordjemen Schritt für Schritt zu einem Schwerpunkt der Entwicklungspolitik. Der Bürgerkrieg im Nordjemen zwischen Royalisten und Republikanern erlosch erst 1970, nachdem ein Kompromissfrieden ausgehandelt worden war. Nun benötigten das Land, die Menschen und die Regierung dringend jede Art von Hilfe.

Herausragende Beispiele westdeutscher Hilfe waren die Fertigstellung des neuen Flugplatzes San’a’ 1973 und der festen Asphaltstraße zwischen San’a’ und Ta’izz in den folgenden Jahren. Zudem wurden wichtige Investitionen im Wasser- und Abwasserbereich finanziert. Technische Zusammenarbeit begann als Unterstützung im Agrarsektor und der ländlichen Entwicklung, setzte sich über die Ausbildung von Jemeniten im Gesundheitssektor fort und mündete in Zusammenarbeit bei der Berufsausbildung. Bald gab es auch Berater aus der Bundesrepublik in verschiedenen Ministerien des Nordjemen.

Aus der doppelten Vertretung von West-und Ostdeutschland in San’a’ wurde im Jahr der Wiedervereinigung 1990 eine einzige deutsche Botschaft. Nord- und Südjemen erzielten die Vereinigung rund ein halbes Jahr vor der Deutschland. 1991 besuchte der damalige deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Carl-Dieter Spranger, den Jemen. Der Minister wurde auch von Präsident Ali Abdallah Saleh empfangen. Der jemenitische Staatschef erläuterte die Schwierigkeiten, die den Jemen im Prozess des Zusammenwachsens begleiteten. Ali Abdallah Saleh sagte, es werde mindestens drei Jahre dauern, bis die Probleme überwunden seien. Er kenne die Probleme, die an Deutschland von dessen eigener Vereinigung gestellt würden. Doch er hoffe, dass die deutsche Regierung ihre alten Freunde, die Jemeniten, trotz aller anderweitigen Anforderungen nicht vergessen werde.

Der darauf folgende Ausbau der wirtschaftlichen und technischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Jemen bewies, dass Präsident Ali Abdallah Salehs Wünsche auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Jedoch blieben wie in Deutschland auch im Jemen die von der Vereinigung zweier Staaten verursachten Schwierigkeiten viel länger als drei Jahre bestehen. Immerhin gelang es im Jemen schließlich Grundlagen eines parlamentarischen Systems herzustellen, das bis heute zu wünschen übrig lässt, jedoch als Fundament eines demokratischen Staates dienen kann. Die Besuche zahlreicher deutscher Parlamentarier im Jemen in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung bezeugten dem Demokratie-Versuch hohe Wertschätzung.

Als Höhepunkt deutscher Wertschätzung für den Jemen aber darf der Besuch des Bundespräsidenten Richard von Weizsäckers im Juni 1992 gelten, rund 23 Jahre nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. Damals hatte im Jemen der Versuch einer schrittweisen Demokratisierung erste Erfolge erzielt. In Deutschland war man sich bewusst, dass diese Entwicklung entscheidend vom Erfolg der Wirtschaftspolitik abhänge. Deswegen unterstrich auch Richard von Weizsäcker die Bereitschaft Deutschlands, dem Jemen im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe weiter zu unterstützen.

Im Frühjahr 2005 besuchte auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den  Jemen. In umgekehrter Richtung ist Präsident Saleh schon öfter Gast in Deutschland gewesen. 
 

Peter Wald

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